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VdPB: Keine Entlastung der Pflege in Sicht

Neue Instrumente erhöhen Belastung der professionellen Pflege / Statt mehr Ressourcen nur mehr Aufgaben / Realität konterkariert politische Willensbekundung

München, 07.06.2019 – Während in Berlin gleich drei Ministerien vor die Presse treten und die Ergebnisse der „Konzertierten Aktion Pflege“ vorstellen, bauen sich nahezu unbemerkt vor den professionell Pflegenden neue Herausforderungen auf, die nach Ansicht der Vereinigung der Pflegenden in Bayern (VdPB) in der schon jetzt angespannten Lage nicht mehr zu bewältigen sind. Insbesondere das von November an verbindliche Qualitätsprüfsystem für Einrichtungen der Langzeitpflege und die im kommenden Jahr startende generalistische Pflegeausbildung führen zu unzumutbaren Mehrbelastungen des Pflegepersonals, die in krassem Widerspruch stehen zu der erklärten politischen Absicht, die berufliche Pflege attraktiver zu machen und für bessere Arbeitsbedingungen zu sorgen.

Die VdPB begrüßt grundsätzlich sowohl das auf wissenschaftlich erarbeiteten Grundlagen entwickelte neue Qualitätsprüfsystem für die Langzeitpflege als auch die lange von der professionellen Pflege geforderte generalistische Ausbildung. Gleichzeitig kritisiert die VdPB, dass die Pflege mit der praktischen Umsetzung allein gelassen wird bei einer ohnehin schon extrem dünnen Personaldecke. „Erst im März ist das neue indikatorengestützte Verfahren zur Qualitätsprüfung in Einrichtungen der Langzeitpflege verabschiedet worden. Mit diesem neuen Verfahren gehen künftig halbjährlich aufwendige Datenerhebungen in den Einrichtungen einher, die jetzt vorbereitet werden müssten. Dazu steht erstens das benötigte Personal nicht zur Verfügung, und zweitens wird auch das alte Verfahren, das sich in der Praxis als untauglich erwiesen hat, nicht ausgesetzt. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) wird noch bis Ende Oktober danach prüfen. Damit werden die Einrichtungen und somit die Pflegenden zeitlich noch mehr geknebelt. Die Umsetzung des neuen Verfahrens wird einmal mehr auf dem Rücken der Pflegenden ausgetragen“, erklärt VdPB-Präsident Georg Sigl-Lehner und ergänzt: „Das gilt in ähnlichem Umfang auch für die Einführung der Generalistik – obwohl das Pflegeberufegesetz ab dem 1. Januar 2020 gelten wird, sind unzählige Details der praktischen Umsetzung noch offen, sodass Kliniken, Pflegeschulen und Einrichtungen der ambulanten sowie der Langzeitpflege möglicherweise erst einmal improvisieren müssen, um den Schülerinnen und Schülern einen geregelten Start in ihren Beruf zu ermöglichen.“

Die Ursachen dafür liegen nach Ansicht der VdPB vor allem in der mangelnden Einbeziehung der professionellen Pflege bei der Erarbeitung der Konzepte und Instrumente. Zudem sorge eine falsche Priorisierung im zeitlichen Ablauf immer wieder für Umsetzungsprobleme, so Sigl-Lehner. „Es ist hinlänglich bekannt, dass uns in der beruflichen Pflege ganz grundsätzlich die personellen Ressourcen fehlen. Bevor also immer noch mehr Aufgaben an uns herangetragen werden, muss die Personalausstattung deutlich verbessert werden. Solange die Realität jedoch den politischen Willen, die Pflege zu entlasten und die Rahmenbedingungen zu verbessern, immer wieder konterkariert, wächst das Risiko für eine völlige Verweigerung der professionellen Pflege. Da muss auch die Frage erlaubt sein: Was passiert, wenn die Pflege als letzte Konsequenz der Überlastung einfach nicht mehr mitmacht?“

 

Die vollständige Pressemitteilung als PDF

 

Die Vereinigung der Pflegenden in Bayern (VdPB) ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und ein unabhängiges Sprachrohr von und für professionelle Pflegekräfte in Bayern. Die VdPB wurde 2017 auf Grundlage des vom Bayerischen Landtag verabschiedeten Pflegendenvereinigungsgesetz gegründet und hat unter anderem die Aufgabe, die Qualität der Pflege weiterzuentwickeln – sowohl im Interesse der Berufsgruppe als auch für die Versorgungssicherheit für die Menschen in Bayern. Dazu wirkt die VdPB an Gesetzgebungsverfahren mit und vertritt die Pflegenden in Gremien wie beispielsweise dem Landespflegeausschuss. Zudem berät sie ihre Mitglieder kostenlos in berufsrechtlichen, berufsethischen und fachlichen Fragen und engagiert sich für die Fort- und Weiterbildung der beruflich Pflegenden. Die Mitgliedschaft in der VdPB ist für professionell Pflegende freiwillig und kostenlos. Präsident der VdPB ist Georg Sigl-Lehner.

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Videostatement der VdPB-Botschafter

Georg Sigl-Lehner

Präsident der VdPB, Krankenpfleger, Lehrer für Pflegeberufe, Leiter einer Pflegeeinrichtung in Altötting

Michael Wetterich

Kinderkrankenpfleger, Stationsleiter Kinderchirurgie
in Augsburg

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