Standpunkte & Aufgabenverständnis

Der Vereinigung der Pflegenden in Bayern (KöR) wurden gem. Art 2 PfleVG die nachfolgend wiedergegebenen Aufgaben übertragen, die der Vorstand der Vereinigung nach ausführlichen Beratungen wie folgt interpretiert:

Interessenvertretung

Aufgabe: Interessen der Angehörigen der Pflegeberufe vertreten, fördern und stärken.

Aufgabenverständnis:

  • Die VdPB unterstützt und befördert die Entwicklung eines einheitlichen ICN-basierten Pflegeverständnisses, das alle Berufsgruppen in der Pflege – bei Beachtung ihrer jeweiligen Spezifika – teilen, kommunizieren und in allen relevanten gesetzlichen und untergesetzlichen Rahmenbedingungen der Pflege verankern.
  • Die VdPB analysiert und thematisiert die Rahmenbedingungen, unter denen Pflegende arbeiten (müssen), sie sieht in den Arbeitsbedingungen und anderen die berufliche Praxis bestimmenden Bedingungen Schüsselfaktoren für die Attraktivität und damit die Zukunftsfähigkeit der Pflege als Beruf.
  • Die VdPB sieht es angesichts zum großen Teil unbefriedigender beruflicher Realitäten der Pflegenden als ihr Mandat an, auf eine deutliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der jeweiligen betrieblichen Personalarbeit hinzuwirken, und arbeitet hier u. a. eng mit den Gewerkschaften und Personalvertretungen zusammen.
  • Die VdPB setzt sich für eine gleichberechtigte Stellung der Berufe der Pflege im Gesundheitswesen ein und beteiligt sich an den in diesem Zusammenhang relevanten fachpolitischen Diskursen und Beratungen.
  • Die VdPB wirkt auf die Erarbeitung und Verabschiedung einer Berufsordnung hin und wirkt an ihrer Ausformulierung mit.
  • Die VdPB arbeitet nicht allein und isoliert, sondern nimmt ihren gesetzlichen Auftrag in enger Kooperation mit den relevanten Organisationen und Institutionen – im Freistaat Bayern und bundesweit – wahr.
  • Die VdPB will ihre Arbeit zum Nutzen für die Angehörigen der Pflegeberufe heute und in Zukunft tun und sich an den Wirkungen ihrer Arbeit messen lassen.
  • Die VdPB arbeitet mit anderen Berufsvertretungen, insbesondere den Pflegekammern anderer Länder zusammen, unterstützt die Errichtung einer Bundespflegekammer, sieht in dem vom Gesetzgeber in Bayern eingeschlagenen Weg eine Chance, die es ernst zu nehmen und zu nutzen gilt – ist aber zugleich offen für eine kritische Revision des bayerischen Wegs der freiwilligen Mitgliedschaft.
  • Die VdPB will der Pflege in Bayern eine starke und vernehmliche Stimme geben.

Beratungsangebot für Mitglieder

Aufgabe: Die Mitglieder in berufsrechtlichen, berufsethischen und fachlichen Belangen beraten.

Aufgabenverständnis:

Die VdPB unterhält für ihre Mitglieder ein breites und qualifiziertes Beratungsangebot und arbeitet bei der Beratung kompetenz- und aufgabenbezogen mit anderen Institutionen zusammen.
Im Zentrum der Beratung stehen berufsrechtliche Fragen, für die die VdPB ein eigenes breit gefächertes Angebot in ihrer Geschäftsstelle vorhält. Zu den berufsrechtlichen Fragen, zu denen die VdPB Beratung anbietet, gehören insbesondere

  • Vorbehaltsaufgaben der Pflegefachberufe
  • Einhaltung und Verletzung von beruflichen Pflichten
  • Übertragung und Delegation von Aufgaben in Kooperationsbeziehungen und arbeitsteiliger Aufgabenwahrnehmung
  • haftungsrechtliche Problemzonen der beruflichen Praxis
  • Patientenrechte in der Pflege
  • Personalausstattung (z. B. Fachkraftquote)
  • Meldung von und Umgang mit Problemsituationen in der beruflichen Pflege, in der berufsrechtliche, fachliche und ethische Standards verletzt werden

Fragen der berufsrechtlichen Beratung werden mit sozial- und arbeitsrechtlichen Fragestellungen abgestimmt. Die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen – Gewerkschaften, Berufsverbänden, Betriebs- und Personalräten – wird angestrebt.
Zu Inhalten der Beratung in ethischen Fragen gehören u. a.

  • berufsethische Fragen in der Pflege
  • grundlegende Fragen der Pflege- und Care Ethik
  • die Pflege in Würde unter den jeweiligen finanziellen, organisatorischen und personellen Rahmenbedingungen
  • Arbeit in multikonfessionellen Teams
  • gender- und kultursensible Pflege in den verschiedenen Arbeitsfeldern
  • Gewalt in der Pflege
  • Umgang mit ethischen Dilemmata (Freiheit vs. Fürsorge, Selbstbestimmung im Krankenhaus)

Zur fachlichen Beratung zählt die VdPB insbesondere:

  • Information über fachpflegerische Standards (Vorhandensein, Struktur, Verbindlichkeit, Inhalte)
  • fachliche Anforderungen aus untergesetzlichen Rahmensetzungen und ihre Verbindlichkeit
  • Aufgabenverteilung und Kompetenzprofile in der Fachpflege
  • Wege und Möglichkeiten beruflichen Aufstiegs

Die VdPB ist bestrebt, Fortbildungen – ggf. mit anderen Institutionen gemeinsam – zu den angesprochenen Beratungsthemen anzubieten oder sich an entsprechenden Fortbildungsveranstaltungen zu beteiligen.
Die Beratungen richten sich vornehmlich an Mitglieder. Zu bestimmten Fragestellungen von allgemeinem Interesse können sich Beratungsangebote der VdPB auch an andere Zielgruppen richten (Institutionen, Politik, Bürger und Bürgerinnen, Arbeitgeber).
Zu den Beratungsaufgaben können neben den internen auch externe Expertinnen und Experten hinzugezogen werden.

Gutachten und Sachverständige

Aufgabe: Gerichten und Behörden auf Verlangen Gutachten erstatten oder geeignete Sachverständige benennen.

Aufgabenverständnis:

  • Die VdPB steht Gerichten und Behörden zur Verfügung, wenn es um die Bestellung resp. Auswahl von Sachverständigen für Gutachten und Stellungnahmen geht. Sie ist auch in der Lage und dazu berufen, durch die Geschäftsstelle Gutachten zu erstatten. Bei der Benennung von Sachverständigen werden vornehmlich Sachverständige aus den Reihen der Mitglieder vermittelt, ggf. aber auch Expertinnen und Experten aus der Wissenschaft, auch wenn diese nicht Mitglied der VdPB sind.
  • Die VdPB wird einen, nach Kompetenzbereichen strukturierten, nach einheitlichen Maßstäben erstellten Pool von Expertinnen und Experten einrichten und ständig aktualisieren, um bei von Gerichten und Behörden nachgefragter Expertise schnell und zuverlässig Sachverständige benennen zu können. Dabei werden auch regional Expertinnen und Experten ausgewiesen.
  • Die VdPB arbeitet mit Institutionen, die Weiterbildungen für Sachverständige durchführen, sowie mit den Hochschulen mit pflegewissenschaftlichen Studiengängen in Fragen des Kompetenzerwerbs für Sachverständige eng zusammen.
  • Die VdPB hält pflegewissenschaftliche und pflegefachliche Expertise für alle relevanten Politikbereiche vor (Pflege, Gesundheit, Verbraucherschutz, Stadtentwicklung, Bildung, Naturschutz usw.) oder vermittelt sie.

Erhebung zum Arbeitskräftebedarf

Aufgabe: Erhebungen zum Arbeitskräftebedarf in der Pflege und zur Arbeitssituation von Angehörigen der Pflegeberufe durchführen.

Aufgabenverständnis:

  • Den Ausbau einer regelmäßigen, nach Arbeitsfeldern differenzierten, regionalisierten und wissenschaftlich fundierten Erhebung zum Personalbedarf in Bayern hält die VdPB für unverzichtbar und notwendig, um dem z. T. bereits eingetretenen und weiter drohenden Fachkräftemangel in der Fachpflege wirksam und rechtzeitig begegnen zu können.
  • Die VdPB wird die ihr gesetzlich übertragenen Aufgaben in diesem Zusammenhang gemeinsam mit einschlägig ausgewiesenen Forschungsinstitutionen durchführen.
  • Die Arbeitsbedingungen in der Pflege sind Schlüsselfaktor für die Attraktivität und Leistungsfähigkeit der Pflege. Auch bezogen auf die Arbeitsbedingungen wird die VdPB eigene Untersuchungen durchführen bzw. beauftragen, vorrangig allerdings bestehende Forschungen und empirische Erkenntnisse auswerten und nutzen, um eine für die Pflegepolitik belastbare Datenbasis verfügbar zu machen. Die VdPB arbeitet in diesem Aufgabenfeld eng mit Berufsgenossenschaften, Gewerkschaften, Ausbildungsstätten und Arbeitgebern zusammen.
  • Weiteren und ergänzenden Erhebungsbedarf sieht die VdPB zu Fragen der Wirksamkeit und Anwendung von pflegerischen Standards. Gleiches gilt für Fragen der Voraussetzungen für die Realisierung von Pflegequalität im pflegerischen Alltag (Qualifikation, Weiterbildung, Soft Skills). In diesen Fragen arbeitet die VdPB eng mit pflegewissenschaftlichen Forschungsinstitutionen zusammen.
  • Die VdPB versteht sich auch als Impulsgeberin für pflege- und gesundheitswissenschaftliche Forschung.
  • Die VdPB sieht auch die Notwendigkeit, die Fragen der finanziellen Ausstattung, der Geldverteilung im Gesundheitssystem, soweit sie Auswirkungen auf die pflegerische Versorgung und die Arbeitsbedingungen der Pflege entfalten, zum Thema von Untersuchungen zu machen und sieht sich hier mit einem Initiativrecht für entsprechende Untersuchungen ausgestattet.
  • Die Bedarfsgerechtigkeit der pflegerischen Versorgung bildet sich nach Ansicht der VdPB auch in dem Ausmaß und der Verbreitung illegaler Beschäftigung und grauer Märkte in der Pflege ab. Die Analyse der Hintergründe, des Ausmaßes und der Arbeitsbedingungen dort zählt die VdPB auch zu ihrem Aufgabenbereich, der sich nicht allein auf die Fachpflege i. e. S. beschränkt. Das Gleiche gilt für die Belastung und Situation pflegender Angehöriger.
  • Für die Erhebungen werden unabhängig von der Finanzausstattung der Vereinigung für die laufende Arbeit Mittel beim Freistaat Bayern eingeworben.

Qualitätsrichtlinien

Aufgabe: Qualitätsrichtlinien für die Pflege nach dem Stand der Wissenschaft entwickeln und fortschreiben.

Aufgabenverständnis:

  • Mit Fragen der Qualität und Qualitätssicherung in der Pflege sind nach Ansicht der VdPB Grundsatzfragen der Pflege, ihres Selbstverständnisses, ihrer Fachlichkeit und Autonomie verbunden. Vorgaben für die Qualität in der Pflege, Ausrichtung, Zuständigkeit und Methodik der Qualitätssicherung berühren in vielfältiger Weise die berufliche Praxis, die Professionalität und das öffentliche Bild der (Fach-)Pflege. Insofern sieht die VdPB in den Qualitätsfragen einen berufspolitisch höchst relevanten Themenkomplex, der in der Vergangenheit und Gegenwart durch die Dominanz und Vorgaben der Leistungsträger- und Leistungserbringerverbände sowie Aufsichtsbehörden (etwa FQA) gekennzeichnet war. Diese muss dort wo möglich und notwendig durch die VdPB ergänzt werden, soweit es um Fragen der Pflegefachlichkeit geht.
  • Die VdPB wird keine eigenen Qualitätsrichtlinien erarbeiten und veröffentlichen, sich aber insbesondere an der (Weiter-)Entwicklung und Revision von Qualitätsvorgaben für die Pflege durch den Gesetzgeber, durch Aufsichtsinstanzen, Kostenträger und Leistungserbringer beteiligen und strebt an, dass auf der landesrechtlichen Ebene Einvernehmen der VdPB bei der Aufstellung von pflegerischen Qualitätsmaßstäben in den jeweiligen Verfahren vorgesehen wird. Sie wird von sich aus Initiativen ergreifen, wenn sie die Erarbeitung oder Revision von Qualitätsmaßstäben und Qualitätssicherungsmaßnahmen für erforderlich hält.
  • Ausgangspunkt für die Qualität der Pflege ist eine adäquate Berufsausbildung und ihre berufsrechtliche Regelung (3-jährige Ausbildung für Fachkräfte, 1-jährige Helferausbildung).

Öffentliche Gesundheitspflege

Aufgabe: An der öffentlichen Gesundheitspflege mitwirken.

Aufgabenverständnis:

Die VdPB versteht Pflegeberufe als Berufe der Gesundheitsförderung und sieht die Notwendigkeit, Präventionsziele durch Gesundheitspflege konsequent zu verfolgen sowie die Bedeutung der Pflege für die Gesundheitspflege herauszustellen.
Zu den Aufgaben und Fragestellungen im Zusammenhang mit der Mitwirkung an der öffentlichen Gesundheitspflege zählt die VdPB u. a.

  • Mitwirkung an der Gesundheitspflege an Kitas und allgemeinbildenden Schulen
  • Mitwirkung in den Gremien der Gesundheitsregionen in Bayern
  • Mitwirkung am BGM und BEM durch Expertise und Kooperation (etwa mit Gesundheitsämtern und Krankenkassen)
  • Unterstützung von Ehrenamt und Selbsthilfe
  • Zusammenarbeit mit Kommunen, Quartiersarbeit und NGOs (etwa Bürgervereinen)
  • Qualifizierung digitaler Angebote der Gesundheitspflege
  • Mitberatung und Beteiligung an Public-Health-orientierten Versorgungskonzepten

Fortbildung in den Pflegeberufen

Aufgabe: Die Fortbildung der Angehörigen der Pflegeberufe fördern und Fortbildungsangebote entwickeln.

Aufgabenverständnis:

Für Fragen der Sicherung und Entwicklung der Qualität in der Pflege von höchster Relevanz sind die Fort- und Weiterbildung. Verbindliche Regelungen fehlen in Bayern weitgehend. Die VdPB sieht sich in der Verantwortung, mit den anderen relevanten Institutionen der Aus-, Fort- und Weiterbildung

  • die Definition von Art, Umfang, Inhalt von Fort- und Weiterbildungen für die Pflege vorzunehmen,
  • die Anerkennung von Fort- und Weiterbildungen (etwa DKG) auszusprechen,
  • die Ausbildungsordnungen weiterzuentwickeln,
  • neue Pflegestudiengänge (etwa durch Beteiligung an Akkreditierungsverfahren) zu entwickeln,
  • die Kompatibilität mit den Vorgaben des deutschen Qualifikationsrahmens und der berufspolitischen Rahmenkonzepte (DPR) herzustellen.

Die bisherigen Vorgaben für die Fort- und Weiterbildung sind nach einer systematischen Bestandsaufnahme einer Revision zu unterziehen.
Die VdPB wird in Abstimmung mit den Pflegekammern und -vereinigungen anderer Bundesländer Weiterbildungsordnungen erlassen und vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege insofern um eine Erweiterung der Aufgaben gem. § 2 PfleVG ersuchen.
Die VdPB prüft sowohl Möglichkeiten der Registrierung von beruflich Pflegenden und bezieht hierfür bereits verfügbare Erfahrungen und Modelle ein (Berlin), als auch die Einführung eines Bayerischen Pflegeberufe-Ausweises.
Die VdPB wird Fragen des Bildungsurlaubs politisch thematisieren.

München, 12.03.2019
Georg Sigl-Lehner
Präsident der Vereinigung der Pflegenden in Bayern (VdPB)
Das Aufgabenverständnis wurde vom Gesamtvorstand erarbeitet und zusammengefasst sowie moderiert von Prof. Dr. Thomas Klie (Freiburg – Berlin – Tutzing).

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