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VdPB: Pflegewissenschaftliche Basis ist elementar für die Profession

Aus für pflegewissenschaftliche Fakultät in Vallendar ist ein Alarmzeichen / VdPB fordert Priorisierung der Pflegeforschung und der grundständigen hochschulischen Pflegeausbildung in Bayern / Finanzielle Rückendeckung ist eine Investition in die Zukunft der Pflege

München, 08.04.2021 – Das unlängst vom Pallottiner-Orden verkündete Ende der pflegewissenschaftlichen Fakultät an der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Pallottiner (PTHV) in Vallendar ist nicht nur eine schlechte Nachricht für die Profession Pflege insgesamt, sondern ein Alarmzeichen für die dringend notwendige Akademisierung der Pflege. Nach Ansicht der Vereinigung der Pflegenden in Bayern (VdPB) ist das Aus für die Pflegewissenschaft in Vallendar vor allem auch eine Mahnung an die Politik, die hochschulische Bildung nachdrücklicher voranzutreiben und zu priorisieren. Eine deutlich verbesserte finanzielle Ausstattung der pflegewissenschaftlichen Forschung und Lehre im Freistaat hält die VdPB dabei für unerlässlich. Durch die Akademisierung erfährt die Profession der beruflich Pflegenden eine ebenso bedeutende wie notwendige Entwicklung. Die wissenschaftlichen Arbeitsfelder der Pflege sind dabei elementare Bestandteile und ihre Erkenntnisse wesentliche Beiträge zur Professionalisierung.

„Die Entscheidung der Pallottiner, die pflegewissenschaftliche Fakultät in Vallendar zu schließen, wird mit der Neuausrichtung und Umstrukturierung der Hochschule begründet. Letztendlich steht die mangelnde Wirtschaftlichkeit im Zentrum, die auch auf einen Rückgang der Studierendenzahlen zurückzuführen ist“, bedauert VdPB-Vizepräsidentin Agnes Kolbeck. Die Pallottiner als Träger der Hochschule räumen in ihrer Erklärung zur Schließung der Fakultät ein, sie sei wirtschaftlich nicht tragbar und die seit ihrer Gründung vor zehn Jahren gehegte Hoffnung auf eine Akademisierung der Pflege habe sich nicht erfüllt. Deutschland habe da weniger erreicht als andere Länder. „Das klingt, als ob die Pflegewissenschaft hier einfach kapituliert hat, obgleich mit dem Pflegeberufegesetz die grundständige akademische Pflegeausbildung als zweite Säule gerade erst ihre gesetzliche Anerkennung erfahren hat“, stellt Kolbeck fest. „Im Grunde aber zeigt es doch nur besonders deutlich, woran es dem im Gesetz verankerten Vorhaben letztendlich mangelt, nämlich der finanziellen Rückendeckung. Wer neue Studiengänge etablieren will, muss sie solide finanzieren, und zwar sowohl die theoretischen als auch die praktischen Anteile“, führt die Vizepräsidentin der VdPB weiter aus. Das sollte eigentlich weder im rheinland-pfälzischen Vallendar noch in Bayern ein Thema sein. Schließlich sei eine gesicherte Finanzierung eine echte Investition in die Zukunft der Pflege. Vallendar habe bislang in der Pflegewissenschaft eine echte Leuchtturm-Funktion innegehabt, wichtige Erfahrungswerte gesammelt und in den Akademisierungsprozess einfließen lassen. Es sei kaum absehbar, wann sich neue Hochschulen vergleichbar etabliert haben werden und nur annähernd den Stand der pflegewissenschaftlichen Fakultät in Vallendar erreichen. Dies habe zur Folge, dass mit deren Ende die Entwicklung der Profession auf der Basis pflegewissenschaftlicher Forschung und Lehre um Jahre zurückgeworfen werde. „Um dies zu verhindern, muss die Politik jetzt Investitionen tätigen, jetzt die Erfahrung etablierter Einrichtungen erhalten, jetzt die Weiterentwicklung der Pflegewissenschaften forcieren“, ergänzt Kolbeck.

Auch in Bayern hat die Profession Pflege stark von Vallendar profitiert, zahlreiche hochschulisch gebildete Pflegende aus dem Freistaat haben dort ihren Master gemacht oder gar promoviert. Abgesehen davon, dass die VdPB dafür plädiert, die pflegewissenschaftliche Fakultät in Vallendar mit all ihren Studiengängen doch noch zu retten, fordert sie einmal mehr stärkeres Engagement der Politik. „Das Staatsministerium hat in seiner Pressemitteilung vom 14. März bereits auf eine gesicherte Ausbildungsvergütung für die Studierenden in den Praxiseinsätzen gedrängt. Wir wünschen uns darüber hinaus auch ein klares Bekenntnis zur Akademisierung mit deutlichen Signalen an die Hochschulen, pflegewissenschaftliche Studiengänge und insbesondere auch eigene Fakultäten mit entsprechender Forschung zu etablieren“, erklärt Kolbeck. So wichtig es sei, für die generalistische Pflegeausbildung zu werben, so entscheidend sei es daneben auch, mit zunehmender Akademisierung die tatsächlichen Anforderungen des Berufs angemessen zu würdigen, der Profession ein wissenschaftliches Fundament zu geben und berufliche Pflege dadurch attraktiver zu machen.

 

Die Vereinigung der Pflegenden in Bayern (VdPB) ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und ein unabhängiges Sprachrohr von und für professionelle Pflegekräfte in Bayern. Die VdPB wurde 2017 auf Grundlage des vom Bayerischen Landtag verabschiedeten Pflegendenvereinigungsgesetz gegründet und hat unter anderem die Aufgabe, die Qualität der Pflege weiterzuentwickeln – sowohl im Interesse der Berufsgruppe als auch für die Versorgungssicherheit für die Menschen in Bayern. Dazu wirkt die VdPB an Gesetzgebungsverfahren mit und vertritt die Pflegenden in Gremien wie beispielsweise dem Landespflegeausschuss. Zudem berät sie ihre Mitglieder kostenlos in berufsrechtlichen, berufsethischen und fachlichen Fragen und engagiert sich für die Fort- und Weiterbildung der beruflich Pflegenden. Die VdPB ist außerdem die für die Registrierung der Praxisanleitungen in der Pflege und die Erfassung der Fortbildungsnachweise für Praxisanleitungen zuständige Behörde.  Die Mitgliedschaft in der VdPB ist für professionell Pflegende freiwillig und kostenlos. Präsident der VdPB ist Georg Sigl-Lehner.

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